„Infrage“ oder „in Frage“? Die Rechtschreibung einfach erklärt

Die Entscheidung zwischen „infrage“ oder „in Frage“ gehört zu den klassischen Unsicherheiten der deutschen Rechtschreibung. Viele gehen davon aus, dass nur eine Variante korrekt ist – tatsächlich ist die Antwort jedoch differenzierter.

Seit der Rechtschreibreform von 2006 sind „infrage“ und „in Frage“ beide korrekt. Sie können also frei wählen, sollten aber stilistische Unterschiede und feste Wendungen beachten. In diesem Beitrag erhalten Sie eine klare, praxisnahe Erklärung mit Beispielen, typischen Fehlern und hilfreichen Merkssätzen.

B1 Abendkurs Deutsch

1. Was bedeutet „infrage / in Frage“? (Definition & Bedeutung)

Die Ausdrücke „infrage kommen“ und „infrage stellen“ sind feste Wendungen im Deutschen. Sie werden verwendet, um Möglichkeiten zu beschreiben oder Zweifel auszudrücken.

Bedeutungen im Überblick:

  • infrage kommen / in Frage kommen → etwas ist eine Option oder Möglichkeit
  • infrage stellen / in Frage stellen → etwas wird angezweifelt oder kritisch geprüft

Beispiele aus dem Alltag:

  • „Diese Lösung kommt für uns nicht infrage / in Frage.“
  • „Mehrere Bewerber kommen für die Stelle infrage / in Frage.“
  • „Er stellt die Ergebnisse der Studie offen infrage / in Frage.“

💡 Grammatik einfach erklärt:

  • „in Frage“ (getrennt): Verbindung aus Präposition („in“) + Substantiv („Frage“)
  • „infrage“ (zusammen): feste Wortverbindung mit adverbialem Charakter

Während „Frage“ ursprünglich ein eigenständiges Substantiv ist, hat sich die Wendung im Sprachgebrauch so stark etabliert, dass auch die Zusammenschreibung zulässig wurde.

2. Die Regel: Getrennt oder zusammen?

Die wichtigste Regel lässt sich einfach zusammenfassen: Beide Schreibweisen sind korrekt – Sie haben die Wahl. Diese Gleichstellung wurde im Zuge der Rechtschreibreform (1996, angepasst 2006) eingeführt.

Schreibweise Beispiel Charakter
infrage „Das kommt nicht infrage.“ moderner, kompakt
in Frage „Das kommt nicht in Frage.“ klassisch, betont das Substantiv

 

Stilistisch Unterschiede

Auch wenn beide Varianten korrekt sind, gibt es feine Unterschiede im Sprachgefühl:

„in Frage“ (getrennt):

  • wirkt formeller und präziser
  • wird oft in wissenschaftlichen Texten, Medien und offiziellen Schreiben verwendet
  • hebt das Wort „Frage“ stärker hervor

„infrage“ (zusammen):

  • wirkt moderner und flüssiger
  • typisch für Alltagssprache und Online-Texte
  • spart Platz und vereinfacht den Lesefluss

⚠️ Konsistenz im Text (wichtiger Praxistipp):

Ein häufiger Fehler ist das Mischen beider Varianten innerhalb eines Textes. Bleiben Sie innerhalb eines Textes bei einer Schreibweise – das wirkt professioneller und konsistenter.

3. Gibt es eine Duden-Empfehlung?

Viele Nutzer fragen sich: Gibt es eine „richtige“ Variante laut Duden? Die kurze Antwort lautet: Nein – beide Schreibweisen sind offiziell korrekt. Seit der Rechtschreibreform von 2006 werden sowohl „infrage“ (zusammengeschrieben) als auch „in Frage“ (getrennt geschrieben) gleichwertig akzeptiert.

Dennoch lässt sich eine Tendenz im Sprachgebrauch beobachten:

  • „infrage“ wirkt kompakter und wird häufig in modernen, eher informellen Texten verwendet.
  • „in Frage“ betont stärker das zugrunde liegende Substantiv „Frage“ und wird oft in formelleren oder akademischen Kontexten bevorzugt.

💡 Stilistische Empfehlung:

Wenn Sie unsicher sind, greifen Sie im Zweifel zur Getrenntschreibung „in Frage“. Diese wirkt etwas klassischer und wird in vielen professionellen Texten als stilistisch sicher empfunden.

4. Achtung Falle: „außer Frage“ und andere Stolpersteine

Ein häufiger Fehler besteht darin, ähnliche Wendungen nach dem gleichen Muster zu behandeln. Besonders wichtig: „außer Frage“ wird IMMER getrennt geschrieben.

Hier handelt es sich nicht um eine flexible Wortverbindung wie bei „infrage“, sondern um eine feste Wendung, bei der das Substantiv „Frage“ klar erhalten bleibt.

Beispiele:

  • „Das steht außer Frage.“ ✔ Korrekt
  • „Das steht außerfrage.“ ❌ Falsch!

Weitere typische Stolpersteine:

  • „im Frage kommen“ ❌ → richtig: „in Frage kommen“
  • „Etwas Infrage stellen“ (groß mitten im Satz) ❌ → richtig: „infrage stellen“ oder „in Frage stellen“

⚠️ Merke:

Nicht jede Kombination mit „Frage“ darf zusammengeschrieben werden. Nur bei „infrage“ ist beides erlaubt – bei anderen Wendungen gilt oft ausschließlich die Getrenntschreibung.

5. Schreibweise am Satzanfang

Am Satzanfang kommt eine zusätzliche Regel ins Spiel: Großschreibung. Diese betrifft jedoch nur den ersten Buchstaben – nicht die grundlegende Schreibweise. Beide Varianten bleiben korrekt:

  • Infrage kommt diese Option nicht.“
  • In Frage kommt diese Option nicht.“
Variante Schreibweise Erklärung
Zusammenschreibung Infrage „infrage“ wird wie ein Wort behandelt
Getrenntschreibung In Frage „Frage“ bleibt als Substantiv erkennbar

 

💡 Wichtig:

Bei der Getrenntschreibung wird „Frage“ immer großgeschrieben, da es ein Substantiv ist.

6. Merkformel / Eselsbrücken

Da beide Varianten erlaubt sind, geht es weniger um „richtig oder falsch“ – sondern darum, sich die Anwendung zu erleichtern.

💡 Einige nützliche Eselsbrücken:

  • „Ob eins, ob zwei – bei ‘infrage’ ist beides frei!“
  • „Wenn Zweifel im Raum stehen, kann ‘in Frage’ auch getrennt bestehen.“
  • „Bei festen Wendungen bleib getrennt – sonst ist die Regel schnell verpennt.“

Häufig gestellte Fragen zu „infrage“ oder „in Frage“ (FAQ)

  • Ist „in Frage“ veraltet?

    Nein. „in Frage“ ist keineswegs veraltet, sondern weiterhin eine vollständig korrekte und häufig genutzte Schreibweise. Besonders in formellen, wissenschaftlichen oder journalistischen Texten wird die Getrenntschreibung oft bevorzugt.

  • Wird „Frage“ in „infrage“ kleingeschrieben?

    Ja. Wenn Sie die zusammengeschriebene Variante „infrage“ verwenden, wird das Wort komplett kleingeschrieben (außer am Satzanfang).

  • Gibt es einen Bedeutungsunterschied zwischen „infrage“ und „in Frage“?

    Nein. Beide Schreibweisen haben exakt die gleiche Bedeutung. Es handelt sich lediglich um eine Frage der Getrennt- und Zusammenschreibung, nicht um unterschiedliche Inhalte.

  • Was empfiehlt der Duden – „infrage“ oder „in Frage“?

    Der Duden führt „infrage“ und „in Frage“ als gleichwertige Varianten. Es gibt keine verpflichtende Empfehlung. In der Praxis gilt: Konsistenz ist wichtiger als die Wahl der Variante.

  • Heißt es „infrage kommen“ oder „in Frage kommen“?

    Beides ist korrekt. Entscheiden Sie sich für eine Schreibweise und verwenden Sie diese durchgehend.

  • Schreibt man „außer Frage“ auch zusammen?

    Nein, „außer Frage“ wird immer getrennt geschrieben. Diese Wendung ist eine feste Wortverbindung und bildet die wichtigste Ausnahme.

  • Wie schreibe ich „infrage“ und „in Frage“ am Satzanfang?

    Am Satzanfang wird nur der erste Buchstabe großgeschrieben. Bei der Getrenntschreibung bleibt „Frage“ zusätzlich groß, da es ein Substantiv ist.

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