Inhaltsverzeichnis
1. Was ist ein Pleonasmus? Definition des rhetorischen Stilmittels
Ein Pleonasmus ist eine rhetorische Figur, bei der mehrere Wörter mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung kombiniert werden. Dabei entsteht eine inhaltliche Wiederholung, da ein Teil der Aussage bereits im anderen Wort enthalten ist.
Einfach erklärt:
Beim Pleonasmus wird etwas doppelt, ohne neue Information, gesagt.
Der Begriff Pleonasmus stammt aus dem Altgriechischen (pleonasmós) und bedeutet so viel wie „Überfluss“. Die ursprüngliche Bedeutung verweist also darauf, dass ein Ausdruck mehr enthält, als eigentlich notwendig wäre.
Typisch ist die Kombination aus unterschiedlichen Wortarten, zum Beispiel Adjektiv und
Nomen:
- „alter Greis“
- „runde Kugel“
- „nasser Regen“
In all diesen Fällen beschreibt das Adjektiv eine Eigenschaft, die im Nomen bereits enthalten ist.
Kurz gesagt:
Ein Pleonasmus ist ein rhetorisches Stilmittel, bei dem eine Aussage durch überflüssige, bedeutungsgleiche Wörter verstärkt wird.
2. Wirkung und Funktion der Silbentrennung
Der Pleonasmus ist ein vielseitiges Stilmittel. Er kann sowohl bewusst eingesetzt werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen, als auch unbewusst als stilistischer Fehler auftreten.
Verstärkung und Nachdruck
Eine der wichtigsten Funktionen ist die Verstärkung einer Aussage. Durch die Wiederholung ähnlicher Bedeutungen wird der Ausdruck intensiver wahrgenommen.
Beispiel:
Pleonasmus
Es war eiskalter Frost
| Normale Aussage | Pleonasmus |
|---|---|
| Es war kalt | Es war eiskalter Frost |
Die zusätzliche Beschreibung sorgt für mehr Nachdruck und eine stärkere Wirkung des Stilmittels.
Emotionale und bildhafte Sprache
Besonders in literarischen Texten wird der Pleonasmus häufig eingesetzt, um Emotionen hervorzuheben oder Bilder zu verstärken.
Beispiele:
- „tiefe Dunkelheit der Nacht“
- „lautes Geschrei“
Hier wird die Vorstellungskraft des Lesers angesprochen und die Szene wirkt eindringlicher.
Verwendung in Werbung und Alltag
Auch im Alltag und in der Werbung finden sich viele Pleonasmen. Sie werden gezielt genutzt, um Aussagen einprägsam zu machen.
Typische Beispiele:
- „Gratis-Geschenk“
- „neu renoviert“
- „vollständig komplett“
Diese Formulierungen wirken oft verstärkend und bleiben besser im Gedächtnis.
3. Pleonasmus als Stilfehler
In wissenschaftlichen Texten oder formellen Schreiben gilt der Pleonasmus meist als stilistischer Fehler. Hier ist Präzision wichtig und überflüssige Wiederholungen sollten vermieden werden.
Beispiel:
- „vorab im Voraus”, besser: „im Voraus“
- „Endresultat“, besser: „Resultat“
4. Bekannte Beispiele für Pleonasmen aus dem Alltag
Viele Pleonasmen sind fester Bestandteil der Alltagssprache. Sie werden häufig verwendet, ohne dass man sich ihrer bewusst ist.
Typische Beispiele:
- „weißer Schimmel“
- „alter Greis“
- „runde Kugel“
- „kleiner Zwerg“
- „neu renoviert“
- „komplett vollständig“
- „PIN-Nummer“
- „LCD-Display“
Gerade bei Abkürzungen entstehen oft sogenannte Abkürzungs-Pleonasmen. Bei „PIN-Nummer“ steht das N bereits für „Nummer“.
5. Pleonasmus und bessere Formulierung
| Pleonasmus | Bessere Formulierung |
|---|---|
| neu renoviert | renoviert |
| alter Greis | Greis |
| runde Kugel | Kugel |
| komplett vollständig | vollständig |
| vorab im Voraus | im Voraus |
Diese Übersicht zeigt, wie sich viele pleonastische Formulierungen vermeiden lassen.
6. Abgrenzung zu anderen Stilmitteln (Tautologie & Oxymoron)
Der Pleonasmus wird oft mit anderen Stilmitteln verwechselt, insbesondere mit der Tautologie. Deshalb ist eine klare Unterscheidung wichtig.
Pleonasmus vs. Tautologie
Pleonasmus: Kombination von Wörtern unterschiedlicher Wortarten mit ähnlicher Bedeutung
→ „alter Greis“
Tautologie: Wiederholung mit gleichartigen Wörtern oder Synonymen
→ „nie und nimmer“
Merksatz:
- Pleonasmus = inhaltliche Dopplung durch unterschiedliche Wortarten
- Tautologie = Wiederholung durch ähnliche Wörter
Pleonasmus vs. Oxymoron
- Das Gegenteil des Pleonasmus ist das Oxymoron.
- Pleonasmus: ähnliche Bedeutung → Verstärkung
- Oxymoron: widersprüchliche Begriffe → Spannung
Beispiel Oxymoron:
- „bittersüß“
- „beredtes Schweigen“
7. Übungen zum Pleonasmus
Übung 1
Welche der folgenden Aussagen enthalten einen Pleonasmus?
- Ich habe dir das tausendmal gesagt.
- Der alte Greis saß auf der Bank.
- Die Kugel ist rund.
- Ich habe viel Arbeit.
- Das ist ein komplett vollständiger Bericht.
Übung 2
Bestimmen Sie, ob es sich um einen Pleonasmus handelt:
| Aussage | Pleonasmus? |
|---|---|
| neu renoviert | ? |
| viel Arbeit | ? |
| kleiner Zwerg | ? |
| wenig Zeit | ? |
Lösung
Übung 1:
Pleonasmen sind Satz 2 und 5.
Übung 2:
- neu renoviert → Ja
- viel Arbeit → Nein
- kleiner Zwerg → Ja
- wenig Zeit → Nein
Häufig gestellte Fragen zum Pleonasmus
-
Was ist ein Pleonasmus einfach erklärt?
Ein Pleonasmus ist eine überflüssige Wiederholung von Bedeutung innerhalb einer Wortgruppe. Dabei wird eine Eigenschaft genannt, die bereits im Wort enthalten ist.
-
Ist ein Pleonasmus immer ein Fehler?
Nein. Ein Pleonasmus kann bewusst als Stilmittel eingesetzt werden, um eine Aussage zu verstärken. In wissenschaftlichen Texten gilt er jedoch meist als schlechter Stil.
-
Was ist der Unterschied zwischen Pleonasmus und Tautologie?
Der Pleonasmus kombiniert Wörter unterschiedlicher Wortarten mit ähnlicher Bedeutung. Die Tautologie hingegen wiederholt eine Aussage mit gleichartigen Wörtern.
-
Was ist das Gegenteil des Pleonasmus?
Das Gegenteil ist das Oxymoron, bei dem widersprüchliche Begriffe kombiniert werden.
-
Warum benutzt man Pleonasmen?
Pleonasmen werden verwendet, um Aussagen zu verstärken, Emotionen auszudrücken oder eine besondere Wirkung zu erzielen. Sie kommen häufig in der Alltagssprache, Literatur und Werbung vor.
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